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Neugierige und Ungeduldige finden hier in Kurzform aktuelle Infos ueber meine Reise, meinen Standort, mein Gemuet und vieles mehr.
April 2009
"Das weiße Gold von Hainan"
Auf Hainan befinden sich drei Salzfarmen - eine davon die älteste in China. >> mehr . . .


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01./3.07.2007 / Meister Igor und seine heilenden Hände

Als die KLE mal wieder Zipperlein hatte, fügten sich zwei Schicksale zusammen. Unser kränkelndes Motorrad und Igor - der alte Rallyefahrer. Ihm war es eine Freude, mal wieder an einer Enduro schrauben zu können und uns eine große Hilfe, um weiter zu kommen. Die ukrainische Gastfreundschaft kennt keine Grenzen, also wurden wir auch hier wieder zum Barbecue inkl. Übernachtung eingeladen. Die wohltuende Dusche im separaten "Badehäuschen mit Kanister auf dem Dach" war nicht nur für uns sehr erholsam, sondern auch für die kalte Hundeschnauze, welche manchmal hinter dem Vorhang hervorlugte. Mit frischen Obst und Gemüse im Gepäck verließen wir am nächsten Morgen Igors Schrauberbude.
04.-07.07.2007 / Moskau, Moskau werft die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land - ha, ha, ha, ha, ha, hey...

Die Grenzer ließen uns, nachdem sie sich einen Überblick über unser komplettes Gepäck verschafft hatten, mit einem Lächeln nach 4h ziehen. Völlig ausgedurstet plünderten wir in der nächsten Ortschaft (Donesk) den Kühlschrank eines Kiosks. Halbwegs frisch ging es weiter, auf kleinen russischen Nebenstraßen.

Nach zwei Tagen Garfahrt, bei 45° auf dem Asphalt erreichen wir eine Oase, die uns mit einem traumhaften Sonnenuntergang inkl. Touchdown über dem Wasser empfängt. Unser Zelt bauten wir auf einer schiffsbugähnlichen Landzunge - alle einheimischen Tiere grasten auf der Wiese direkt hinter uns.

Am nächsten Morgen kamen die ersten neugierigen Dorfbewohner. Victor mit seinem Enkel hat hier am See Tsimlyanskoe - 340 km südlich von Volgograd -eine kleines Wochenendhäuschen mit Garten.
Der nächste Morgen begrüßte uns mit leicht bewölktem Himmel und starken Windböen - das optimale Fahrwetter um nach Volgograd zu kommen. In leichter Schräglage schlängeln wir uns über Schotterpisten durch prärieähnliche Landschaften - kurz vor Volgograd werden wir von einem Gewitter umhüllt und die Temperaturen sinken seit den vergangenen drei Wochen das erste mal auf erträglich 30°. Ein ideales Wetter, um das russische Stadtleben auf uns einwirken zu lassen.
08.07.2007 / Wolgograd

Den Sonntag verbringen wir mit einem Stadtbummel in Wolgograd. Wir haben am Stadtrand ein kleines Zimmer gemietet und fahren mit einem VW-Bulli ins Zentrum. Wolgograd wurde 1589 gegründet. Die Schlacht bei Stalingrad (1942-1943) war ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der Stadt. Die Stadt scheint heruntergekommen, doch hier und da verstecken sich traumhafte Gebäude, wie das Museum für bildende Künste und das Planetarium. In dem Panorama-Museum, welches umringt von Panzern und Fliegern ist, können wir uns über die Einzelheiten der Schlacht um Stalingrad informieren. Entlang einer traumhaften Uferstraße, schlendern wir zum Flusshafen und sehen eine Weile dem regen Treiben zu. Viele Wolgograder mieten sich ein Motorboot und brausen die Wolga Flussabwärts.

Uns hällt es nicht lange in der Stadt - also ziehen auch wir, Flussabwärts Richtung Wolgamündung. Ob Steilküste oder flacher, feiner Sandstrand - das Wolgaufer hat alles zu bieten.
12.-31.07.2007 Steppe, Steppe, steppe oder wie man Kamele melkt…

Von Wolgograd ging es immer entlang der Wolga nach Astrakhan und weiter zur kasachischen Grenze. Nach ein paar stressigen Stunden mit komisch-ernsten und neugierigen Grenzern und einer Verwarnung, im Grenzbereich nicht zu fotografieren, waren wir dann doch mal irgendwann in Kasachstan. Da macht man sich im Laufe der Jahre so sein Bild von der Seidenstrasse, und, was passiert?
Wir sehen die ersten Kamele, grasend, rasend (lustig mit dem Hintern wackelnd) oder einfach nur dösig dreinschauend, was da für zwei komische, knatternde Gestalten vorbeifahren. Kamelmilch tranken wir auch schon, dazu eingeladen von einem netten Pärchen in Atyrau, wo wir eine Nacht in einem Hotel verweilten und Morgens ziemlich unwirsch von einer Bediensteten, die wohl noch nie was von „der Kunde ist König“ gehört hatte, gedrängt doch endlich unser Zimmer zu räumen.

Ein anderes und ebenso typisches Bild sind die Ölpumpen, wie sie Arme schwingend Stund für Stund ihren Dienst verrichten. Wie bisher überall, werden wir freundlich angehupt und begrüßt. So auch von zwei Ölkonzernarbeitern die Katharina anbieten, sie könne doch auf einem Kamel sitzen, wenn sie möchte. Das Kamel wollte allerdings nicht als Motorradersatz herhalten, bedankte sich aber für das Interesse an ihm mit einer Portion gut gekauter und wahrscheinlich halbverdauter, gelbgrüner schleimigen Masse auf Katharinas Oberarm. Katharina hat ein neues Lieblingstier und von da an sieht man sie lustig Kamelen zuwinkend Motorrad fahren.

Doch zurück zum ersten Tag in Kasachstan. Den Spätnachmittag, nach unserem Grenzübertritt verbrachten wir mit Schamil und seinem Kollegen (zwei türkische LKW-Fahrer auf dem Weg nach Atyrau) zwischen ihren fetten Lkw`s. Wir aßen Nudeln mal türkisch zubereitet, hörten Falco und tranken türkischen Tee. Zu unserer Freude spricht Schamil sehr gut deutsch, da er über 13 Jahre fast in unserer Nähe gewohnt hat. So ist alles ganz entspannt. Gut gelaunt und mit vollem Magen suchen wir uns am Kaspischen Meer, zwischen Strohballen und Sumpflandschaft einen Schlafplatz. Am morgen kam für mich die ernüchterung. Hatte ich mich doch auf ein super Bad in Salzwasser gefreut – dem war leider nicht so, heißt das Kaspische Meer doch auf Grund seiner Größe wohl nur so. Katharina konnte sich, dank des Geographieunterrichts in der 8. Klasse bei Herrn Meisgeier, daran erinnern.

Die ersten paar Hundert Kilometer in Kasachstan Richtung Atyrau fahren wir noch über Strassen die sich auch so nennen dürfen, dass allerdings sollte sich schnell ändern und es sei jedem Nicht-Endurofahrer geraten, umzusteigen und seinen Chopper oder Caferacer einzutauschen, wenn er gedenkt Kasachstan zu durchqueren. Über Maqat, Aqtöbe und südlich nach Aral fahren wir tausende von Kilometern Offroad, sei es auf Schotter-, (wellblechübersät) Lehm- oder Sandpisten. Bei Temperaturen an die 50 Grad sind wir quasi genötigt regelmäßig in den Pausen (die sich häufen, da auch die Motorräder heiß laufen) unendlich viel Flüssigkeit in unsere Kehlen zu befördern und sich dabei in das bisschen Schatten, was ein Motorrad um die Mittagszeit zu bieten hat, zu setzen.

Aber man wird hier in der heißen Steppe auch durch eine karge aber traumhaft schöne und doch irgendwie abwechslungsreiche  Landschaft verzaubert. Immer wieder tauchen neben den riesigen Salzpfannen auch kleinere Seen auf, meistens wenn lt. Karte keine da sein sollten (gilt andersrum auch, wenn´s einen geben sollte ist er fast immer ausgetrocknet um diese Jahreszeit) Haben wir uns mit den Wasservorräten verschätz, gibt es nette kasachische Geister die einem aus einem fahrenden Auto heraus eine Flasche Wasser anbieten sowie frisches Brot und Zigaretten schenken. Die Menschen hier sind so erfreut, dass 2 verrückte Deutsche ihr Land bereisen.
Pleiten Pech und Pannen seien noch erwähnt:

Platte Schläuche flicken haben wir auch schon hinter uns, zum Glück immer nur bei Anderen die am Straßenrand mit Plattfuss stehen und sich tierisch freuen, dass wir so gut ausgestattet sind. Zum Dank dafür bekam Katharina erstmal eine Originalkamelhaardecke geschenkt. Ne richtige Pleite allerdings ist das mit meinem Fuß: eine Verschwörung zwischen dem Reservekanister und der kleinen Böschung zur linken, beim Durchfahren einer tiefen Sandrinne. Die beiden schnappten sich meinen Fuß und haben ihn erstmal mächtig in die Mangel genommen, herzlich schmerzlich verdreht und gedehnt. Bei Temperaturen über 40 Grad mussten wir einen Tag Zwangspause einlegen. Wir hätten gerne länger pausiert – da der Fuß auch nach zwei Tagen noch nicht abgeschwollen war – doch lag unser Schlafplatz zwischen zwei Pisten und die neugierigen Augen waren uns schon nach 24h zu viel. Also Zähne zusammen beißen, mit der Hacke die Gänge Hochschalten und Tag für Tag ein Stück weiter gen Nordost kommen. Wir verlassen also die Küstenlinie des Aralsees wieder Richtung Norden und kämpfen uns über Arqalyq und Atbasar Richtung Astana.
10 Tage später sind wir Gäste einer kasachischen Familie im Zentrum Astanas. Sascha, deren Sohn, haben wir 40 km vor Astana am Ufer des Flusses Esil kennen gelernt. Er verbrachte hier das Wochenende mit seinen Freunden. Spontan stand für ihn fest, die beiden Verrückten kommen mit nach Hause. Uns erwartete eine Vollpension mit Internet und ärztlicher Versorgung (der Vater ist pensionierter Arzt). Mit dem Auto ging´s durch die sehr künstlich wirkende neue Hauptstadt. Überall sind viele große Bauprojekte in Arbeit, so zum Beispiel der Bau eines Diplomatenviertels, verschiedener Regierungsgebäude und einer repräsentativen Uferpromenade. Bis 2030 sollen die Stadtteile vollendet sein. Zuweilen sieht die Stadt aus wie Berlin rund um den Potsdamerplatz, ich kann diesen Bauwahn nicht verstehen, denn was der ländlichen Bevölkerung an Geld für eine intakte Infrastruktur fehlt, wird hier verballert. Astanas Chefplaner, Wladimir Laptew, will ein Berlin in eurasischer Version erbauen – so ein Wahnsinn. 
Also: Idealerweise bilden ein 1,50 m und ein 2,10 m großer Kasache ein so genanntes Leiterduett. Um die Arbeit zu erleichtern, wird dass Kamel an allen 4 Füßen mit Seilen am Boden verpflockt, so dass es nicht die Weite der Steppe aufsuchen kann. Eine 3-4 sprossige Leiter wird an das hintere linke Bein gelehnt und mit einem roten Dreieckstuch fixiert. Das rote Dreieckstuch signalisiert allen Dorfbewohnern: es gibt frische Milch. Nun steigt der kleinere Melker auf die 2. oder 3. Stufe der Leiter und wird aus Sicherheitsgründen von seinem Kameraden gestützt. Mit einem, durch jahrelange Übung gekonnten Sprung in die Höhe, stülpt er die Zitzenzapfer über die Kamelzitzen. Die nun fließende Kamelmilch wird in einem 50 Liter Eimer aufgefangen. Kamele geben sehr viel Milch, teilweise dauert der Melkvorgang bis zu 4 Stunden. Diese Zeit überbrücken die Kamelmelker mit ihrer Lieblingsbeschäftigung: Sie trinken Tee (Wodka wird auch gern genommen) und essen dazu getrocknet und gesalzene Buttermilchbällchen. Das Spucken, Rülpsen und Furzen gehört hier zum guten Stil. Das war’s eigentlich schon.

Nun – man muss es live erleben, um alle Details dieses komplizierten Vorganges zu verstehen, umschreiben kann ich vieles gar nicht.
Für alle die es interessiert, aber speziell für eine besondere Mitleserin dieser Zeilen, möchte ich noch den Vorgang des Kamelmelkens erläutern. (Vielleicht ist der Olli so nett, eine lustige Karikatur oder Illustration darüber anzufertigen, Ali könnte diese dann, zur visuellen Anschauung in unserem Blog hochladen??)
- Stefan -
Auch aus Victors Garten wurden wir mit frischsten Gemüse versorgt. Einen Tag Pause gönnten wir uns, um im kühlen Nass alle zwei Stunden zu entspannen. Kochen, Wäsche waschen und Motorräder inspizieren füllten den Nachmittag aus.
- Stefan & Katharina -
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