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April 2009
"Das weiße Gold von Hainan"
Auf Hainan befinden sich drei Salzfarmen - eine davon die älteste in China. >> mehr . . .


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01.-09.08.2007 / Wir sagen bye, bye Kasachstan…

Nach Tagen der Erholung und mit kasachischen Tränen werden wir am Stadtrand von Astana herzlich Verabschiedet. Endlich wieder on the Road geht’s Richtung Norden. Die kahle Steppe Kasachstans verwandelt sich in eine grüne, hügelige Landschaft – eine Wohltat für unsere Augen, als wir die ersten kleineren Baumgruppen erblicken. Da wir keinen Zeitdruck haben, entscheiden wir uns für einen kleinen Abstecher zum Nationalpark Bayanaul. 860m Höhenunterschied – für uns ein Traum.
Mit frischen Birken- und Fichtenduft in der Nase fahren wir durch Wälder, kurven über Serpentinen, mal links, mal rechts,  durchqueren blühende Wiesen und staunen über idyllisch gelegene Sandbuchten der hiesigen Seen. An verschiedenen Aussichtsplattformen kommen uns hupende Autocorsos entgegen – der Nationalpark ist ein Bilderparadies für frisch Vermählte. Außerhalb des Parks, an der gegenüberliegenden Seite eines Sees schlagen wir unser Lager auf. Unsere Nachbarn sind Bäume, Sträucher, Bienen und eine Menge von Mücken. Doch das nehmen wir in Kauf für ein, zwei Tage idyllischer Ruhe mit traumhaftem Blick zum Nationalpark. Auch einer kleinen schwarzen, fast unscheinbaren Spinne schien unser Quartier zu gefallen. Der Versuch ihr statt unseren Schlafsack ein Blatt als neue Heimat zu bieten, endete für Katharina mit einem kleinen Biss in die Hand. Das Resultat waren 10 Stunden anhaltende, heftigste Schüttelfrostanfälle und starke Fieberschübe. Wadenwickel, zwei Schlafsäcke, eine Kamelhaardecke und diverse Kleidung sowie ein Tag Ruhe halfen ihr, wieder zu Kräften zu kommen. Nach zwei Tagen „Erholung“ starten wir über Pertopavlovsk zur russischen Grenze. Da unser zweites Russlandvisa erst ab dem 10. August gültig war, legten wir kurz vor der Grenze einen Pausentag ein. Doch die Suche nach einem geeigneten Platz gestaltete sich schwieriger als gedacht. Zwei Monate Dürre und Trockenzeit waren schlagartig vorbei. Am Himmel zogen rabenschwarze Wolken auf und es begann aus Kübeln zu regnen. Die Wege abseits der Hauptstraße, welche immerhin mit brüchigem Asphalt bedeckt war, verwandelten sich in eine zähe, schmierige Lehm-, Matschmasse. Der Versuch doch über einen Feldweg, zu einer kleineren Baumgruppe zu gelangen scheiterte kläglich. Das Resultat waren diverse „Ausrutscher“ meinerseits, Katharina war so schlau und begutachtete mein Treiben von sicherem Boden aus. Doch es half nix, meine Maschine musste wieder auf den Asphalt.
Kaum die Hose runter strömen Milliarden von Mücken auf uns ein – nun ja, wir Männer sind da wirklich im Vorteil, eine leere Flasche im schützenden Vorzelt hilft schnell weiter. Katharina musste da schon eher die juckenden Stiche ertragen.
10.08.2007 / Grenzerfahrungen

Guten Mutes steuern wir den kasachischen Teil der Grenze an. Wir geben unsere Papiere und Pässe ab und schon der grimmige Blick des Beamten verrät uns, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wir werden vor die Tür gebeten und uns wird erklärt, dass unsere Maschinen seit fünf Tagen illegal im Lande sind. Wir verstehen nicht, ist doch unser Visa bis heute gültig. Doch auf einem unscheinbaren Stück Papier, welches uns bei der Einreise nach Kasachstan ausgestellt wurde, stand das Datum 5. August, warum auch immer. Uns wurde mitgeteilt, wir könnten die Grenze passieren, doch unsere Maschinen müssten hier bleiben. Ein schlechter Scherz für uns – noch können wir lachen. Immer wieder hören wir die Worte, großes Problem, ihr müsst zum Gericht und eine Strafe zahlen. Wir nehmen den Vorwand, dass wir aufgrund meiner Fußverletzung verhindert waren, mit unseren Maschinen pünktlich das Land zu verlassen. Doch es hilft nichts, die Beamten bleiben eisern. Wir investieren 30 EURO Telefonkosten für einen Anruf bei der deutschen Botschaft in Astana, doch auch das hätten wir uns sparen können, haben wir doch nur all das übersetzt bekommen, was wir sowieso schon wussten. Völlig entnervt resigniere ich, auf leerem Magen geht dies ganz schnell bei mir – doch Katharina bleibt standhaft. Voller Hoffnung und immer noch mit einem Lächeln geht sie wieder und wieder zu den Beamten und versucht uns irgendwie über die Grenze zu bringen. Plötzlich kommt auch sie mit Wut und Tränen aus einem Zimmer und ruft mir entgegen: „Jetzt wollen Sie plötzlich 500 EURO pro Maschine.“ Mittlerweile sind vier Stunden vergangen, wir haben immer noch nichts gegessen und riechen ständig den leckeren Duft aus der Grenzkantine. Einmal durchgeatmet und weiter in den Kampf. Katharina schreibt auf einen Zettel, dass wir pro Monat nur eine geringe Summe zur Verfügung haben, das Zelt unser zu Hause ist und wir uns von Brot, Käse und Wasser ernähren. Zusätzlich erwähnt sie, dass wir in Astana das Glück hatten, einen Reporter der Tageszeitung Karawan kennen gelernt zu haben, der mit uns ein Interview über unsere Erfahrungen, Eindrücke und Gefühle zum Land durchführte. Diesen Zettel gab sie einem Beamten, welcher wieder für eine Stunde im Grenzgebäude verschwand. Plötzlich hörten wir unsere Namen rufen. Wir werden in das Büro des Obersten Grenzoffiziers gebeten. Nochmals schimpft er, doch ein verstecktes Lächeln auf seinem Gesicht lässt uns hoffen. Wir müssen auf einen Zettel den Grund unserer Verspätung schreiben und wie in einem Wunder reicht er uns die Hand, fragt über unsere Reise, unser Ziel und wünscht uns eine gute Fahrt. Innerhalb von 10 Minuten können wir mit unseren Pässen in der Hand den kasachischen Teil der Grenze nach 6 Stunden passieren. Die russische Seite verläuft verhältnismäßig schnell. Unser Gepäck wird nach Waffen durchsucht und mein Pfefferspray als gefährlich eingestuft und einbehalten. All meine Erklärungsversuche scheitern – Katharina ist etwas schlauer und hat in ihren Jackentaschen überall Tampons verteilt. Der Anblick scheint für die Beamten peinlich und sie wollen den weiteren Tascheninhalt nicht sehen. Diesen Trick werde ich wohl bei dem nächsten Grenzübertritt auch benutzen – Tampons können ja auch gut gegen Nasenbluten sein. Nach sieben Stunden Grenzerfahrung stehen wir wieder im Reich der Zaren.
Wir riechen und fühlen Sibirien – die Temperaturen sind auf 7-15 Grad gesunken und unsere Thermobekleidung kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Hinter Kansk fahren wir auf unbefestigten Schotter-, und Schlammpisten, die eher Baustellen gleichen als Straßen. Hier und da überqueren wir ungezähmte Flüsse an denen sich kleine Siedlungen befinden.  Die Häuser sind nach uralter Vätersitte erbaut – Blockhütten aus grob behauenen Stämmen, mit kleinen Fenstern an deren Rahmen zart geschnitzte Ornamente genagelt sind. An jeder Hütte ist meist ein kleiner Stall oder eine Scheune angebaut, in denen das Heu für die Tiere gelagert wird. Hinter dem dichten, undurchsichtigen Holzzaun befindet sich oftmals ein kleiner Gemüsegarten mit prächtig, gelben Kürbissen, Bohnen die an Stangen empor sprießen, Gurken, Knoblauch und Kartoffeln. Wir sind überwältig von der Weite und Schönheit Sibiriens, können über die Schlammpisten mit gelegentlichen Ausrutschern nur noch lachen.

An einem spätsommerlichen Abend, im Rücken einen purpurroten Sonnenuntergang erreichen wir Irkutsk. Bei der Suche nach einem günstigen Hotel erlebt Katharina, wie es ist für eine kleine russische Banditin gehalten zu werden. An einem hell erleuchteten Gebäude halten wir an, Katharina fragt nach einer günstigen Unterkunft, doch sie wird schroff abgewiesen. Lautstark schimpfend kommt sie zurück, dass muss wohl dann doch die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt haben. Der Mann und zwei Frauen kommen zu uns und fragen wo wir her kämen, genervt antworten wir, da wir nur noch den Wunsch nach einem Bett verspüren. Typisch russisch wandelt sich doch ihre Stimmung, sie entschuldigen sich, meinten Katharinas Russisch würde wie das einer Gaunerin klingen, daher die Abweisung. Da wir unsere Maschinen nicht im Dunkel stehen lassen wollten, läuft Sina ins Restaurant und packt in verschiedene Tüten, was sie auf ihrem Geburtstagsbuffet finden kann. Mit lecker Kartoffeln, Möhren, Brot, Fleisch, Bohnen und Fisch, dazu frischem Gemüse verlassen wir die lustige Gesellschaft. Am Stadtrand von Irkutsk entdecken wir eine günstige Truckerabsteige und sind erfreut sogar warmes Wasser vor zu finden. Am folgenden Tag kaufen wir mit Hilfe eines netten Russen eine Telefonkarte, da wir uns den stressigen Weg der Registrierung ersparen wollten. Wir telefonieren mit Simone und Leonid (Freunde über fünf Ecken die wir selbst nicht kennen) am Baikal auf der Insel Olkhon und kündigen unser Kommen an. Von netten Leuten am nächsten Tag sicher aus dem Verkehrschaos Irkutsks gelotst fahren wir durch traumhafte Regionen der Insel entgegen.
24.-31.08.2007 Angekommen im Paradies…

Der Weg zur Insel führt uns entlang einer ausgewaschenen Schotterpiste durch tiefe Wälder und felsige Hügel. Mit großer Freude fahren wir jedem Hügel entgegen, in der Hoffnung dahinter das blaue Wasser des Baikals zu erblicken.
Und dann plötzlich, unsere Ungeduld ist kaum noch zu bremsen, erblicken wir hinter einer Wegbiegung den kleinen Baikal. Wir haben es geschafft, das schwarze Auge Sibiriens liegt vor uns. Hinter Tog, dem letzten Dorf auf dem Festland steigen wir auf die Fähre nach Olkhon. Rechts der große Baikal, links der kleine und wir Mittendrin – fantastisch, traumhaftes Sonnenwetter und eine wahnsinnig schöne Landschaft. Für die 50 km nach Kharantsy brauchen wir fast 4 Stunden, in jeder Bucht und auf jeder Bergkuppe legen wir eine Pause ein. Nach dem wir uns durch tiefen Sand bugsiert haben begrüßen und Simone und Leonid in ihrem Paradies auf Olkhon. Zur Krönung des Tages sagen sie, dass wir in zwei Stunden in die Banja können, um uns zu Regenieren und frisch zu machen, wir können das gar nicht fassen. Eine kleine gemütliche Blockhütte ist nun für die nächsten Tage unser zu Hause. Aus den Tagen sind dann doch Wochen geworden, welche wir bei Simone und Leonid nach Art des woofings verbracht haben. Wir arbeiten im Haus und Garten, dafür gibt’s Kost und Logis frei. Katharina hilft Simone bei der Gartenarbeit, kocht abwechselnd mit ihr und ich erledige mit Leonid diverse handwerkliche Arbeiten, wie dem Bau einer Gartentreppe und der Reparatur von Fahrrädern die für das, von Simone unterstützte Internat der Insel bestimmt sind. Jeden Mittag springen wir in die Fluten des Baikals, das Wasser ist so klar, dass wir selbst in tieferen Gebieten den Grund sehen können. Wir haben das Paradies gefunden!
Zwei Stunden später, mit völlig verschlammter Maschine und einer bis zum Brustbereich voll gespritzten Katharina – einer muss halt schieben – haben wir es geschafft. Mit den Nerven am Ende und einem letzten, dann doch geglücktem Versuch abseits der Straße zu gelangen, schlagen wir unser Zelt auf einem frisch gemähten Feld hinter einem riesigen Heuhaufen auf. Der Regen lässt nach und wir stärken uns in aller Zufriedenheit mit frisch gekochten Nudeln und leckerer Tomatensoße. Doch die Ruhe scheint trügerisch. Der allabendliche Pinkelgang erweist sich als absolute Katastrophe.
Wir lassen die Großstädte Novosibirsk und Krasnojarsk mit ihren tausenden von Autos und rußenden Fabriklandschaften hinter uns. Atmen wieder erleichtert auf und tief durch und folgen der staubigen Landstraße, wellblechähnlich geformt durch die vielen LKWs, welche ihre Ware in die Tiefe Sibiriens bringen.  Die Straße M53 ist die einzige Verbindung von Vladivostok Richtung Moskau. Teilweise kommen uns riesige Autotransporter und kleinere Autokonvois entgegen, welche importierte Fahrzeuge nach Moskau bringen. Je schneller umso besser scheint die Devise auf den russischen Straßen und so nutzen wir oftmals den Randstreifen neben der Straße, um nicht mit überholenden Rasern zu kollidieren.
11.-21.08.2007 / Von Omsk nach Irkutsk –  Ein Leben auf der Überholspur…

Ein kurzer Aufenthalt in Omsk bleibt auf Grund der Registrierungspflicht unausweichlich. Wir steigen in einem billigen Hotel ab und merken erst nach der ersten Nacht, dass wir in einem Stundenhotel gelandet sind. Die Geräuschkulisse war selbst für unsere müden Glieder mit Unmengen an Schlafbedarf nicht zu überhören. Sergey, der Chef des Etablissements übernimmt die hören Kosten und wir erhalten ein Luxuszimmer am Ende des langen Gangs. Er interessiert sich sehr für unsere Reise und bietet uns an, mit seinem Auto in die Innenstadt zu fahren, so dass wir all unsere Besorgungen erledigen sowie die Registrierung vornehmen können. Noch weiß er nicht, auf was er sich da eingelassen hat. Lebensmittel, Motorradöl und eine weitere Straßenkarte sind schnell besorgt, doch die Registrierung erweist sich als Irrfahrt durch den Bürokratiedschungel von Omsk. Nach vier Stunden und verschiedensten Anlaufstellen lassen wir uns in der Post registrieren. Sergeys Anschrift dient als Unterkunft. Seit Mai 2007 haben sich in Russland die Bestimmungen zur Registrierung von Touristen geändert – das tolle an der Sache, keiner weiß Bescheid. Ohne große Schäden überstehen wir diese Prozedur, nur gelegentliche Adrenalinstöße aufgrund der russischen Fahrweise bringen unser Blut zum wallen. Am nächsten Tag geht’s weiter in die Tiefe Sibiriens bei schattigen 12 Grad. Als hätten wir bei unserer letzten Schlammschlacht nichts gelernt, erfahren wir aufs Neue wie rutschig und klebrig der hiesige Lehmboden nach einem Regen sein kann. Erst als sich die Reifen nicht mehr drehen legen wir eine Pause ein. Circa fünf Kilogramm sibirischer Muttererde prockel ich jeweils von Reifen, Schutzblech, Schwinge und Kette damit wir weiter fahren können. Durch Birken und Fichtenwälder geht’s immer Richtung Osten.
- Stefan & Katharina-
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