Es gibt nicht´s Gutes außer man tut es!
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April 2009
"Das weiße Gold von Hainan"
Auf Hainan befinden sich drei Salzfarmen - eine davon die älteste in China. >> mehr . . .



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01.-22.10. / Gaumenschmaus im Jurtenhaus

Unseren vorerst letzten Tag in Ulan Bator verbringen wir mit den Lotus-Kindern. In einem kleinen Artikel in der Zeitschrift Meridian lass ich noch in Deutschland von Diddi und ihren Straßenkindern in Ulan Bator. Von so viel Engagement war ich zutiefst ergriffen und wusste – diese Menschen möchte ich kennen lernen, darüber möchte ich berichten. Das Lotus-Zentrum ist ein Ort, welcher traumatisierten Kindern, sei es durch sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung oder Unterernährung und Gewalt in Familien ein neues und sicheres Zuhause bietet und somit eine Chance auf ein besseres Leben. Wir wurden im Kreis der Lotus-Kinder sehr offenherzig aufgenommen und bekamen einen tiefen Eindruck in das Leben und Arbeiten im Lotus-Zentrum. (Weitere Informationen unter >> Es gibt nichts Gutes außer man tut es!)

Bei strahlendstem Sonnenschein verlassen wir Smog-City, Richtung Süd-West. Schon nach 20 Kilometern verwandelt sich der feste Asphalt in staubigen Sand. Wieder haben wir die Möglichkeit, eine von 10 Erdpisten, welche in eine und dieselbe Richtung führen zu wählen. Manchmal erinnert unsere Fahrweise an einen Riesenslalom, wir entscheiden von Sekunde zu Sekunde neu, welcher Track der beste zu sein scheint. Um uns einen Überblick über die Landschaft zu verschaffen fahren wir querfeldein einen Berg hoch und beschließen auf dem Plateau unser Nachtlager aufzuschlagen
Noch bevor wir unsere Packsäcke abgesattelt haben, kommt uns Oltrone der einsame Reiter mit seinen zwei Hunden entgegen. In der rechten Hand sein Vieh-Fang-Lasso in der linken abwechselnd ein einäugiges Fernglas oder ne Kippe – so stand er neugierig vor uns, der alte Oltrone. Wir fragen wies dem Vieh geht, ob alle Tiere noch da sind, er zückt nur lächelnd sein Fernglas, sieht hindurch, murmelt vor sich hin und gibt uns durch Hochgestreckten Daumen zu erkennen, dass alles ok ist. Zufrieden, den Aufbau eines Wechsel-Zeltes beobachten zu dürfen, springt er auf sein Pferd und reitet seiner Herde entgegen.
Wir folgen dem Flusslauf des Har Buh gol. Es weht ein eisiger Wind und die Luft riecht nach Schnee. Die weite Steppe bietet kaum Möglichkeiten für einen windgeschützten Unterschlupf. Die Temperaturen sinken in der Nacht auf -15 Grad und schaffen es tagsüber gerade mal auf 5 Grad. Gut das wir in Ulan Bator den richtigen Riecher hatten und uns eine wärmende Schafwolldecke gekauft haben. Diese Decke und unsere zusammengezippten Schlafsäcke lassen uns die eisigen Nächte halbwegs mit Schlaf gesegnet verbringen.

Auf dem Weg nach Chachorin begegnet uns eine Herde prächtiger, flauschig-brauner Kamele. Ein erneuter Versuch meinerseits, eines der Kamele zu streicheln, verschaffte mir zumindest warme Füße. Ich wollte doch nur kuscheln! Plötzlich reist der Himmel auf und wir fahren mit den ersten und letzten Sonnenstrahlen des Tages durch die Tore der Stadt Chachorin. Am Ufer des Flusses wollen wir unser Zelt aufstellen. Stefan, der perfekte Placefinder interveniert und so landen wir nach einiger Überredenskunst auf dem Gelände einer Tourbase am Fluss. Unser Zelt steht nun im Schutze von Bäumen und umringt von hungrigen aber lieben Hunden. Nach dem Versprechen, uns am nächsten Morgen wieder in Luft aufzulösen, da der Boss zurückkehrt, verbringen wir mit Tubolg und dem anderen Securitypersonal einen lustigen Abend in deren warmer Unterkunft.
Als wir am nächsten Morgen erwachen liegen nicht nur die Hunde im Vorzelt – über Nacht hat es so viel geschneit, dass wir von einer 15 cm hohen Schneeschicht bedeckt sind. Schnell wieder in die Schlafsäcke zurück und das weitere Vorgehen bedenken. In der Nachbarbase könnten wir eine Jurte erhalten, doch fehlt ihnen das Feuerholz für eine angenehme Wärme.
Nach zwei Tagen wagen wir den Weg zurück in die Weite. Auf Grund der Temperaturen ändern wir unsere Route, die Wüste Gobi muss fürs erste auf uns verzichten. Wir steuern die Stadt Hujirt an, um uns in einer heißen Quelle zu erholen. Leider besteht die warme Oase nur aus einem Metallrohr an dem Wäsche und Haare gewaschen werden. Wir ziehen weiter und schlagen Quartier an einem kleinen Stausee in einer schmalen Talsenke.

Das morgendliche Wasserholen erschwert sich durch eine 10 cm dicke Eisschicht. Nach diversen Aufwärmübungen und mehrmaligen Betätigen des Anlassers unserer Motorräder rollen wir weiter in östlicher Richtung. Wir nehmen größere Umwege in Kauf, da die zu überquerenden Wasserfurten nach der Schneeschmelze für uns nicht mehr zu bewältigen sind. An den zugefrorenen Flüssen, süd-östlich von Arvayheer begegnen wir riesigen Yakherden, die augenscheinlich das gleiche Problem haben wie wir – Trinkwasser zu bekommen. Mit ihren Hufen hauen sie kleine Löcher in das Eis, mitunter hören wir ein lautes Krachen und das  zottelige Tier steht mit allen Vieren im Wasser – Jacke nass!
Am Fuße eines Bergrückens in der Nähe von Bayangol erhalten wir Einblicke in das mongolische Nomadenleben. Eine Familie gibt uns am Abend Unterschlupf, am heißen Ofen wärmen wir unsere ausgekühlten Glieder. Bei lodernder Flamme werden in alter Tradition mongolische Spezialitäten gekocht. Hier bestimmen noch Regeln und Riten das Leben der Nomaden. Gespannt beobachten wir den Brauch, eine Kelle vom Essen in die Natur zu geben oder ein Stück Ziegenfleisch ins Feuer zu werfen – das bringt immer genug Nahrung zurück.
Sie vermitteln uns an Irinka, der Betreiberin einer kleinen Tourbase am Stadtrand von Chachorin. In preisverdächtigem Tempo, bei anhaltendem Schneesturm packen wir unsere sieben Sachen und schlittern mit den Maschinen einer wohlig warmen Jurte, welche für die nächsten zwei Tage unser zu Hause ist, entgegen. In einer der Nachbarjurten ist eine australische Familie, bei der wir ein paar Stunden mit heißen Getränken und heiteren Gesprächen verbringen.
Wir lassen die Sand-Steppe hinter uns und die Landschaft verwandelt sich in steinige Felsformationen. Inmitten dieser wollen wir die Klosterruine Ongiin aufsuchen – einst eines der größten Klöster der Süd-Mongolei. Da auch hier die Region sehr touristisch erschlossen ist, ziehen wir uns in einen Canyon ein paar hundert Meter weiter zurück. Hier finden wir in einem ausgetrockneten Flussbett ein malerisches Plätzchen, passend zu einem farbenfrohen Sonnenuntergang.
Wir nutzen die Zeit des Wartens und besuchen das Kloster Erdene Zuu; zu Deutsch „Kostbarer Herr“. Das Kloster wurde 1586 gegründet und ist somit das erste buddhistische Kloster in der Mongolei. Durch den plötzlichen Wintereinbruch wirken die Tempel des Klosters wie mit Puderzucker bestäubt. Die weißen Klostermauern scheinen in der Schneelandschaft wie aus dem Boden gewachsen. Abends erleben wir zusammen mit weiteren Gästen ein traditionelles Schauspiel aus mongolischer Obertonmusik, heimischer Mimik und landestypischer Instrumente.
Das schummrige Licht der, durch eine Autobatterie gespeisten Glühbirne lässt nur einen vagen Blick auf die uns präsentierte Mahlzeit zu. Unsere Gaumen und Mägen rebellieren zwar, aber nach der dritten Tasse, des sehr gewöhnungsbedürftigen Buttertees und dem zweiten Bissen getrocknetem Ziegenfleisch erkennen unsere Körper die heilende Wirkung der gesunden, fetthaltigen Nahrung. Wir revanchieren uns am nächsten Morgen mit löslichem Kaffee und stellen erleichtert fest, dass die Geschmäcker sehr verschieden sind. Der Dame des Hauses mundet unser morgendliches Heißgetränk anscheinend auch nicht wirklich.
Doch die Ruhe und der Frieden währen nur kurz. In der Nacht werden wir von heftigsten Winden, welche durch das felsige Nadelöhr wehen, wach gehalten. Trotz optimaler Befestigung und zusätzlicher Beschwerung mit Steinen hebt sich unser Vorzelt schlagartig von seinem Platz. Erst weitere große Steine und die zusätzliche Befestigung am Motorrad lassen uns zur Ruhe kommen.
Wieder in Ulan Bator eingetroffen erfreuen wir uns in unserem schon bekannten Hostel einer ausgiebigen heißen Dusche. Zwei weitere Tage „genießen“ wir die Stadt unter der Dunstglocke, besuchen Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das Gandan-Kloster mit seiner 26 Meter hohen Statue der Göttin Janraisig oder sitzen entspannt in einem Kaffee mit exzellenten Backwaren. Bei Tagestemperaturen von -5 Grad geben wir kräftig Gas, um nicht ganz erfroren wieder in Irkutsk einzutreffen.
23.10-2.11. / Eine Schlitterpartie zwischen Irkutsk und Olchon

Die Baikallandschaft hat sich verändert. Die bunten Wälder haben ihr Kleid in ein tristes grau verwandelt. Das Ufer und die umliegenden Felder sind mit zarten Eiskristallen bestückt. Wegen teilweise vereist aussehenden Straßen müssen wir manchmal arg in die Eisen gehen um gerade in den Schattenpartien nicht ins rutschen zu kommen. Nach drei Tagen erreichen wir Irkutsk, durchgefroren aber glücklich alles heil überstanden zu haben. Am nächsten Morgen werden wir vom Wintereinbruch überrascht. Es liegt Schnee und wir überlegen den halben Tag ob wir die Strecke nach Olchon wagen wollen. Gegen Mittag ist ein Grossteil getaut und wir satteln auf, noch einmal geht’s durch das Verkehrschaos der Stadt und dann haben wir die Ruhe der Landstraße und die kalten Grade für uns allein. Wir sehen heute keine anderen Motorradfahrer außer uns auf der Straße. Meine Befürchtung, nicht ganz ohne Schnee und Eis davon zu kommen bewahrheitet sich. Die Insel ist umgeben von einem kleineren Gebirgszug. Im Sommer, ohne Schnee ein Traum jeden Motorradfahrers. Doch bei Schnee und eisglatter Fahrbahn kann es eine gute Rutschpartie werden, so auch bei uns. Zaghaft tasten wir uns in den ersten Höhenzügen bei angetauter Fahrbahn in den schmalen Spurrinnen voran. Dann, an einer der letzten Steigungen geht gar nix mehr und Katharina probiert die 180 Gradwende auf der Stelle ohne um zu fallen. Gelingt nicht ganz, das Resultat ist zum Glück nur ein arg gebeutelter und zu einem Parallelogramm geformter Koffer. Leider versäumten wir davon ein Bild zu machen, denn auch wir finden auf der spiegelglatten Fahrbahn keinen Halt. Wir haben Mühe das Motorrad wieder aufzurichten, immer wieder rutschen wir selber dabei weg und liegen daneben. Uns kommt ein Polizeiwagen von der Bergkuppe entgegen, die Herrschaften mustern uns als seien wir ein wenig bescheuert. Stimmt ja auch. Wir erfahren, dass dieser Straßenzustand noch 10 Kilometer anhält, danach erwartet uns eine trockene gut zu befahrene Straße und viel Sonnenschein. Also quälen wir uns ganz am Rande im noch losen Schnee km für km weiter und erreichen dann wirklich irgendwann trockenen Asphalt. Das Glück ist uns auch an der Fähre hold, wir müssen nur kurz warten und erwischen die letzte des Tages. Ziemlich fertig von den Anstrengungen erreichen wir unser trautes Gastheim und Leonid empfängt uns freudestrahlend. Auf uns wartet eine warme Suppe und heißer Tee. Den folgenden Morgen beginnen wir mit einem Happy Birthday to you. Leonid hat Geburtstag und wir überraschen ihn mit einer selbstgebackenen Quarktorte. Drei Tage hat uns die Insel wieder, dann sagen wir Doswidanja. Die Motorräder sind für den Winterschlaf vorbereitet (schnief), stehen nun in der Garage (schnief) und wir winken zum Abschied noch einmal zu (schnief). Per Bus (schnief) geht’s nach Irkutsk. Wir kaufen Fahrkarten für die Bahn (schnief) und auf geht’s am nächsten Morgen mit der Transmandschurischen Bahn nach Peking. In den ersten fünf Stunden erleben wir einen Teil der uns schon vertrauten Strecke entlang des Baikals aus der Sicht eines Zugreisenden.
- Katharina & Stefan-
- Katharina & Stefan-
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