Es gibt nicht´s Gutes außer man tut es!
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30.10-2.11. / Eine Zugfahrt die ist lustig eine Zugfahrt die ist schön – auch bei uns.

Ein russischer Offizier in unserem Abteil, gerade frisch verheiratet zeigt uns stolz sein Hochzeitsvideo, dann holt er eine Flasche Cognac aus seiner Tasche und wir trinken mit ihm auf sein Glück, den Weltfrieden und Anderes. Nach 49 Stunden ratternder Gleise, schaukelnder Wagons, stundenlangen Rumstehen an der Grenze und „köstlicher“ Instantnudeln erreichen wir mit einer Stunde Verspätung in den frühen Morgenstunden Peking. Unsere Körper sind müde und schlapp unserm Magen gelüstet es nach chinesischer Küche.
2.11-30.11. / Ankunft im Land der Mitte

Die Ankunft in Beijing ist für uns erstmal ein Trauma, so viele Menschen auf einem Haufen, alles rennt irgendwie kreuz und quer, rempelnd, drängelt und spukt durcheinander. Im Zug haben wir zum Glück May, eine Taiwanesin aus Irland kennen gelernt. Sie ist an unserem ersten Tag im Land der Mitte unser Guide. Trotz Taxi suchen wir gemeinsam unser Hostel, nach einer guten Verschnaufpause, einer heißen Dusche und zu unserer großen Freunde einen exzellenten Kaffee genießen wir am Abend gemeinsam die vermutlich deliziöseste Pekingente unseres Lebens.
Die nächsten Tage verbringen wir mit Tausendmillionen Chinesen zusammen, sie sind einfach überall. Gehen wir vor die Tür unseres Hostels kommen sie von rechts und links, auf Fahrrädern, Elektroscootern, Dreirädern, zu Fuß oder wild hupend mit Autos. Der Vergleich mit einem großen Ameisenhaufen liegt nicht fern, alles ist in Bewegung, überall wird gearbeitet, die engen Gassen des Hutongs sind immer voll mit kleinen fleißigen Chinesen. Es herrscht eine permanente Geräuschkulisse und wir sind froh das es in Peking eine ganze  Menge Parks gibt die einen zum entspannen und abschalten einladen. Hier findet der Ureinwohner der Stadt Ruhe, hier findet man Platz um sich sportlich zu betätigen, die Menschen aller Altersklassen nutzen den Raum um zu tanzen, Federball und Schach zu spielen. Immer wieder sehen wir Leute die Thai Chi betreiben oder an den, überall in der Stadt vorhandenen Outdoor Fitnessgeräten ihre Körper und Seelen auf Vordermann bringen.
Wir treffen good old Harald und seine Frau An Dong. Mein lieber „Onkel“ lebt hier seit ein paar Jahren in der Küstenstadt Quinghandao. Gleich am ersten Abend sollen unsere Gaumen wieder kulinarische Exzesse feiern. Mit Freunden von ihnen sitzen wir am runden Tisch im Separee eines Restaurants. Das Auftischen nimmt gar kein Ende und wir denken schon darüber nach wie viel Leute denn noch kommen um mitzuessen. Aber so ein chinesisches Essen dauert ganz schön lange und man trinkt immer genügend Bier dazu um es runter zu spülen. Wir als deutsche Familienangehörige Haralds haben nie ein leeres Glas vor uns, nie einen leeren Teller. Mitunter sehen wir uns mit dem Glas in der linken, den Stäbchen in der rechten und der angebotenen Zigarette im Mund etwas überfordert. Stunden später ist der Tisch dann doch relativ abgegrast, dennoch bleibt genügend auf den Tellern. So soll es die nächsten Abende weiter gehen, nach einem üppigen Mahl verbringt man den Restabend gerne in Karaokebars die es hier zuhauf gibt. Ganze Bürohäuser sind mit Separees ausgestattet wo jeder nach Herzenslust seinen Sangesfreuden nachgehen kann. Wir werden ganz blass, anscheinend kann hier jeder halbwegs gut singen. Unsere Versuche ein paar der klassischen englischen Lieder nicht nur peinlich zum Besten zu geben enden mit der Einsicht dass wir wohl noch etwas üben sollten. Tagsüber haben wir in Harald einen super Tourguide gefunden. Mit dem ihm eigen gewordenen chinesischen Fahrstil schlängelt er sich gekonnt durch den chaotischen Verkehr. Wir fahren durch Dörfer eines nahe gelegenen Weinanbaugebiets, cruisen an der Küste des gelben Meeres, fahren mitten durch den Freihafen ohne in irgendeiner Weise auf Probleme zu stoßen, in Europa undenkbar.
Wir geben uns eine andere Art Sightseeing zu betreiben – wir versuchen eine kleine zusätzliche Digitalkamera zu kaufen, um auch mal versteckte Schnappschüsse machen zu können. Dies soll eine Erfahrung der ganz besonderen Art werden. Mit dem Bus geht’s zu einem Platz in der Stadt den man auch 80000 qm Media Markt nennen könnte. Wir setzen uns ein Preislimit für das Modell unserer Wahl und steuern das Zentrum des Konsums an. Fünf gewaltig große und hohe Häuser, vom 2. UG bis zum 10. OG voll gestopft mit Läden. Von der Speicherkarte bis zum Highendmodell der Kameras, vom Laptop bis zum Server ist hier alles vertreten und käuflich zu erwerben. Schon die ersten Meter überfordern uns, kein Schritt ohne Schatten mit langen schwarzen Haaren hinter sich, kein Blick auf die Produkte ohne eine flötende Stimme die cheaper sagt. Der überall vertretene Calculator wird gezückt und die absurde Summe auf dem Preisschild erstmal um ein Viertel gesenkt. Ein „ ich will doch erstmal nur gucken“ wird hier nicht verstanden. Driftet man dann ab zum nächsten Stand wird es nicht besser, der vom Nachbarstand ruft schon. Völlig entnervt rennen wir zum nächsten Ausgang, wir brauchen eine Pause von dem uns noch fremden Einkaufen. Aber auch auf den Vorplätzen werden wir nicht verschont und uns wird permanent irgendein einlaminierter Flyer unter die Nase gehalten, voll mit Bildchen aller möglichen Elektroartikel. Wir beschließen an einem anderen Tag wieder zu kommen, mit neuem noch niedrigeren Preislimit und neuer Taktik. Ein paar Tage später stehen wir wieder im Basement eines dieser Häuser und fangen an zu handeln. Zwei Geschäfte lassen sich auf unseren zugegeben sehr niedrigen Preis ein und wir werden eingeladen in eines der höher gelegenen Stockwerke zu fahren. Nachdem wir intensiv zu verstehen gegeben haben das wir wirklich nur die Kamera und nicht noch irgendwelches Zubehör kaufen wollen, bekamen wir allerdings von beiden gesagt dass das nicht gehe. Die Speicherkarten die sie uns dann dazu verkaufen wollten waren um das 5 fache überteuert, sie sahen wohl ihre Margen schwinden. Als wir dann kundtaten, dass dieses Vorgehen nicht akzeptabel sei, erst mit einem niedrigen Preis ködern und dann einen Rückzieher machen entschuldigten sie sich mehrfach. Das muss man den Chinesen lassen, Europäern gegenüber sind sie immer sehr freundlich und zuvorkommend, nur nicht wenn es ums Geld geht. Wir beschließen es zu lassen, sollte Hongkong auf dem Weg liegen werden wir es dort noch einmal probieren.
In Shanhaiguan stehen wir an dem Anfang der Gossen Mauer, sie „entspringt“ hier dem Meere und jeder Chinese kennt diesen Ort zumindest vom Hörensagen. Da Harald, die alte Säge zwischendurch doch mal arbeiten muss, verbringen wir einen Tag am Strand. Zu ihm gelangen wir im Fond eines der hier überall vertretenen dreirädrigen Mopeds. Wir haben eines jener erwischt, die anscheinend kurz vorm Exitus sind. Der Karren hat einen Sound als ob im Getriebe eine handvoll Stäbchen zermahlt wird, fährt aber wahrscheinlich noch die nächsten 10 Jahre problemlos weiter.
In der Verbotenen Stadt sieht es ähnlich aus. Es bilden sich immer riesige Menschenmassen und alles strömt zu den gleichen Stellen. Wir schlagen immer wieder Wege ein die anscheinend keinen Chinesen interessieren und können so relativ „unbehelligt“ dieses große Labyrinth erforschen. Wir versuchen uns immer wieder vorzustellen wie diese Szenerie wohl zu Kaiserzeiten belebt wurde. Konkubinen im Rudel? Soldaten im Stechschritt? Uns beiden hat eine fette Erkältung erwischt, Katharina muss sogar ins Hospital und bekommt Antibiotika gegen ihre Stirnhöhlenvereiterung. Ich schlendere mal 2 Tage allein durch die Metropole, schaue mir die ein oder andere Absurdität an. Zum Beispiel den Santana 2000 und den Nachfolger, den Santana 3000. Der in Deutschland schon längst vergessene, nie sonderlich gut verkaufte Mittelklasse Wagen ist hier zu einem beliebten Auto avanciert. Vielleicht auch noch erwähnenswert sind die paradoxen Bezeichnungen mancher Autos, wie z.Bsp. QURST285CB26 oder so. Aber vielleicht geben ja die chinesischen Schriftzeichen auf der anderen Seite des Hecks Auskunft über die Bedeutung, für mich nur leider nicht zu lesen. Wenn der Beijinger eine freie Fläche findet die groß genug ist einen Drachen in die Luft zu bekommen, dann tut er das auch. So sehe ich immer wieder meistens Männer mit einer großen Spule in der Hand rum stehen, anscheinend Drachenlos. Verfolgt man dann die Schnur sieht man irgendwo in der Ferne am Himmel einen Drachen schweben. Ach was einen, dutzende die sich am Himmel treffen, miteinander, gegeneinander. Der schlichte schwarze, einem Tarnkappenbomber ähnlich, duelliert sich soeben mit einem großen Adler. Gelbe und rote, grüne und blaue verschwimmen am Himmel zu einem bunten Farben allerlei. Der bei uns in Deutschland vertretene Lenkdrachen ist hier nirgends zu sehen, der Chinese kann seinen Drachen nur mit einer Schnur versehen mindestens ebenso gekonnt durch die Luft manövrieren.

Apropos manövrieren: was die Chinesen so alles auf Fahrrädern transportieren können geht auf keine Kuhhaut. Wir sehen mitunter dermaßen überladende Fahrräder, dass man den Fahrer ebendieses Gefährts auf den ersten Blick gar nicht sieht.
Am Strand angekommen atmen wir erstmal tief durch, die Luft in der Stadt ist auch hier nicht wirklich lecker zu riechen. Wir bummeln an der Waterkant, schauen Fischern zu die ihre Netze reparieren, verfolgen interessiert wie die angelandeten Muscheln mit primitivsten Waschtrommeln vom gröbsten Schmutz befreit werden. Am Abend lädt uns einer der Freunde in ein mongolisches Restaurant ein, dies soll uns noch mal auf eine harte Probe stellen. Als Begrüssungszeremonie müssen alle Westler ein typisches Ritual über sich ergehen lassen, Katharina legt vor. Ihr wird ein weißes Tuch über die Schulter gelegt, dann beginnt eine der Damen zu singen und Katharina wird ein ziemlich voller silberner Becher mit hochprozentigem Schnaps gereicht, zu trinken auf ex. Wer nun gedacht hat dass es das war irrte. Die Prozedur wurde nämlich noch 2 x wiederholt. Als nächster war ich dran und ich konnte nach meinem ersten Becher verstehen warum Katharina immer so das Gesicht verzog, das Zeugs war der Hammer und ich ahnte schon schlimmes für den Verlauf des weiteren Abend. Auch good old Harald musste dran glauben, sein Versuch zu intervenieren scheiterte. Es gäbe keinen Grund, sei er noch so lange in China, dieses Ritual abzulehnen. Nachdem auch er seine Ration bekommen hatte saßen nun drei Langnasen mit rotem Kopf und weißem Tuch um den Hals am Tisch. Zwar gut gesättigt aber Sturz betrunken verlassen wir das Restaurant und lassen uns am Hotel absetzen, die Karaokebar die noch angesagt wäre lassen wir an uns vorüber ziehen, sie hätte uns den Rest vom Schützenfest gegeben.

Am nächsten Tag geht’s zurück in die Hauptstadt, wir werden vom Fahrer des Bürgermeisters Höchstselbst im Luxusgeländeschlitten gefahren. Der Fahrstil von ihm ist der Hammer, sagt selbst Harald und wird ganz blass. Kreuz und quer, teilweise über den Standstreifen drischt er, das Tempolimit locker um das 2-fache überschreitend den Karren über die Autobahn. In Rekordzeit erreichen wir Beijing, stärken uns in einem „deutschen“ Restaurant mit typisch deutscher Hausmannskost. Trotz der Acht Köstlichkeiten die dieses Land zu bieten hat, es war mal wieder richtig lecker und das Gefühl der Gabel und des Messers in der Hand war auch nicht schlecht. Ein herzlicher Abschied voneinander folgt und dann sind wir erstmal wieder auf uns alleine gestellt. Wir checken wieder im alten Hostel ein, in uns schon halbwegs vertrauter Umgebung.
Dort treffen wir immer wieder sehr nette und witzige Leute, unter anderem einen jungen Schweizer der alleine unterwegs ist. Wir beschließen zusammen zur Great Wall zu fahren, an einem der bisher kältesten und windigsten Tage in China. Dort angekommen stehen wir vor der Wahl in die linke oder rechte Richtung zu laufen. Die Wahl ist aufgrund tausender Chinesen die nach rechts laufen schnell getroffen und wir besteigen dieses so geschichtsträchtige Bauwerk und wandern eine ganze Weile in eisiger Stille und Sonnenschein. Dank des Schweizers an unserer Seite geht heute alles etwas gemächlicher von statten. Einzig die auch hier an dem eher weniger besuchten Abschnitt der Mauer vertretenen Souvenirverkäufer nerven, nötigen einen gelegentlich einen Zahn zu zulegen. Dann geben wir uns noch die andere Seite und wir verstehen nicht was alle daran finden können im Gänseschritt hinter anderen tausenden Gänsen zu watscheln. Kein Meter ohne nicht von irgendeinem angerempelt zu werden, kein Foto auf dem nicht mindestens ein schwarzhaariger Kopf zu sehen ist. Als dann noch die klassische Reisegruppe, allesamt mit orangener Leuchtweste bekleidet auftaucht, ist das Klischee komplett und es bewahrheitet sich wieder mal, Volksrepublik China!
- Katharina & Stefan-
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