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1.12-31.12. / Ab in den Süden...

Wir haben beschlossen dass es uns auf die Dauer zu kalt ist und wir in wärmere Gefilde flüchten wollen. Ein kurzer Blick auf die Karte und das Ziel steht fest, der südlichste Punkt Chinas soll es sein. Zwei Tage darauf finden wir uns in einem komplett ausgebuchten Zug wieder, da kann sich die Deutsche Bahn mal ein Scheibchen abschneiden. Es sswar nicht mal mehr möglich zwei Betten im gleichen Abteil zu bekommen, so trennt uns eine Zwischenwand für die nächsten beiden Nächte. Zug fahren in China bedeutet Stress, die Abteile sind etwas kleiner und die Gänge schmaler als im russischen Pendant. Immer, aber auch wirklich immer hat man Kontakt zum einheimischen Reisenden. Keine Minute um die Füße mal auszustrecken ohne dass ein schwarzhaariger mit seinem Instantnudeltopf in der Hand zum Heißwassergerät möchte. Wir trotzen alledem und genießen den Blick aus dem Fenster, sehen an Bahnübergängen zwischen 395 Fahrrädern 2 Autos. Schauen auf riesige Felder und entdecken noch an den undenkbarsten stellen 2-3 Reihen Reis oder eine handvoll Maisstauden.

Wir erreichen in der zweiten Nacht die Küste, hier wird der Zug in 4x4 Wagons geteilt und auf eine Fähre rangiert. Das gemeine fast beängstigende daran ist, das wir nicht aussteigen dürfen, bzw. können da die Wagons verschlossen sind. Wir denken einen kurzen Moment darüber nach was wäre wenn..... Aber warum gerade hier und heute. So geht alles logischerweise gut und schon 1 Stunde später befinden wir uns wieder mit Lokomotive versehen auf den Gleisen der Insel Hainan.
Hainan, auch das Hawaii Chinas genannt, ist eine tropische Insel, die ca. 50 km vor der Küste Guangdongs im Südchinesischen Meer liegt. Mit einer Fläche von ca. 32.000 km² und an die acht Millionen Einwohnern hat sich der ehemalige Verbannungsort zu einer respektablen Provinz mit ansehnlicher touristischer Infrastruktur entwickelt.
Noch ein paar Stunden und wir steigen in der Dunkelheit des frühen Morgens an der Endhaltestelle aus. Wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen, sind es doch zu dieser frühen Stunde noch mindestens 15 Grad und die Grillen zirpen. 1 Stunde und 2 Versuche später, 1 Taxi für einen normalen Preis nach Sanya Dadong Hai zu bekommen erreichen wir per Bus unser Ziel.
Sanya ist die zweitgrößte Stadt Hainans und liegt im Süden der Insel. Neben einem Hafen und einem größeren Marinestützpunkt dürfte der Tourismus schon die wichtigste Einnahmequelle sein. Der Bezirk Sanya hat eine Fläche von 1.919 km², fast 500.000 Einwohner, und es gibt 19 Buchten und 40 Inselchen mit einer Küstenlinie von insgesamt 209 km.
Alles liegt noch in morgendlicher Ruhe und wir finden denn auch irgendwann unser Hostel.
Nach ein paar Stunden Erholen von der Zugreise latschen wir das erste Mal barfuss durchs Wasser und lassen uns die Sonne auf den Pelz brennen. Wir bummeln durch die Straßen und wundern uns ein bisschen, dass wir immer von den Händlern mit einem russischen straswuitje angesprochen werden. Das Wundern schlägt nach ein paar Tagen in ärgern um, verschiedenste Straßenzüge von Sanya gleichen dem deutschen Ballermann, nur in Russisch. Der Deutsche ist hier eine Minderheit und der Russe gibt auch viel lieber seine Ersparnisse aus. Jeden Abend duelliert sich der Dimitry aus dem 3. Hotel von links mit dem Iwan aus Zimmer 204 am Strand mit Feuerwerk. Die hier überall anzutreffenden Feuerwerksverkäufer freuts, uns und manch anderem Reisenden geht’s irgendwann tierisch auf den Sack das selbst um 2 Uhr in der Nacht noch irgendein Blödmann meint, er könne vielleicht seine Schlafstörungen mit lautem Geballer vertreiben
.
Das Fisch essen habe ich mir persönlich auch abgewöhnt. Ist mir dieses ewige Grätenspucken eh schon immer lästig gewesen, fällt es mir nicht schwer es sein zu lassen. Frischer als hier kann man nirgendwo Fisch essen, man sucht sich einfach aus den zahlreich vorhandenen Becken vor den Restaurants das Objekt seiner Begierde aus. Dann kommt der böse Mann mit dem Kescher, fischt den auserwählten heraus und befördert ihn in eine schwarze Plastiktüte.Diese wird dann 2 - 3-mal kräftig auf den Boden geschlagen in der Hoffnung dem lästigen Zappeln ein Ende zu bereiten. Wie sich nun jeder denken kann brutzelt der Wok oder kocht das Wasser schon und der Gute landet wenig Später garniert auf dem Tisch. Da esse ich doch lieber Schalentiere, sie werden zwar auch lebendig zubereitet aber bei ihnen ist es schwerer vorher direkten Augenkontakt zu haben.

Wir könnten noch ein Paar Ausführungen bezüglich Hunden und Katzen auf der chinesischen Speisekarte machen, ich lasse es aber an dieser Stelle mal sein. Persönliche Nachfragen beantworten wir aber gerne.

In unserem Hostel, welches mittlerweile unsere neue Familie geworden ist lernen wir viele Lang- und Kurzzeittouristen kennen. Drei sind uns besonders ans Herz gewachsen. Marco, ein langhaariger Durchgeknallter Italiener, Isis eine rassige spanische Schönheit – oh nein ich korrigiere – Katalanin, nicht Spanierin und Yunlam ein kanadischer Abenteurer chinesischer Abstammung. Gemeinsam sind wir die fünf Hainaner Stadtmusikanten und ziehen los, die Insel zu erkunden. Jeden Tag ein neues Abenteuer. Die Drei sind der Landessprache mächtig und so verschlägt es uns in Gegenden, welche uns als Nichteinheimische vorenthalten wären. In den morgendlichen Stunden hat Katharina in Yunlam einen super Thai Chi Lehrer gefunden und ich die Möglichkeit jeden Tag mal richtig auszuschlafen. 
Das ganze bumborium der Vorweihnachtszeit geht bis auf wenige Ausnahmen zum Glück an uns vorbei. Hier und da stehen schlecht kopierte Weihnachtsbäume herum, auch dudeln in manchen, meistens auf russisches Klientel ausgerichtete Restaurants, die üblichen Weihnachtslieder. Aber das war’s dann auch, dachten wir. In unserem Hostel checkte eine Truppe deutscher Kurzurlauber ein, erst waren es nur die hier typischen Hawaihemden und Hosen die die 6 gerne trugen, dann kam die rotweiße Mütze und am 24. standen 6 aus dem Ei gepellte Weihnachtsmänner im Garten, den Plastiktannenbaum in der Hand. Bereit die Szene aufzumischen und den Chinesen mal zu zeigen wie man eine zünftige Weihnachtsparty zelebriert. Zum Glück hatten sie anscheinend frei nach Ballermann Manier nur einen Kurztrip gebucht und waren schon zwei Tage später nicht mehr zu sehen. Vielleicht liegen sie ja gerade in Arenal am strand und leeren den 5. Kübel Sangria?!

Unser alljährliches Weihnachtsgansessen wurde ein Weihnachtslobsteressen. In internationaler Runde saßen wir am Abend des 25. Dezember bei 25 Grad an einem runden Tisch unter freiem Himmel. Marco spielt auf seiner Gitarre uns bekannte Weihnachtssongs und so zelebrieren auch wir ein Weihnachten der anderen Art – zumindest für einen kurzen Moment.

Nach den „Feiertagen“ verlassen wir Sanya und fahren nach Haikou. Haikou ist die Hauptstadt der Insel, mit einer Million Einwohnern und liegt am nördlichen Ende. Katharina hat eine gute Aussicht, in einem Kanadischen Joint Venture Unternehmen arbeit zu finden. Joe der Kopf der Firma empfängt uns freundschaftlich und wir erhalten ein Zimmer in seinem Appartement. Ganz nach chinesischem Brauch gestalten sich die folgenden zwei Tage mit Kennen lernen, wer bist du, was machst du, was kannst du. Wir treffen zwei weitere Geschäftspartner und auch sie begutachten Katharinas Unterlagen – muss sie wohl sehr beeindruckt haben, denn alle drei haben einheitlich beschlossen, sie für die Firma zu gewinnen. Nach Tagen der Bedenkzeit gibt Katharina grünes Licht.
Silvester verbringen wir wieder in Sanya in vertrauter Umgebung. Alle waren über unsere Rückkehr sehr erfreut. Ein Buffet wird hergerichtet und wir verbringen den Abend mit dem ein oder anderen, mehr oder wenig unterhaltsamen Spielchen. Dann ist es auch schon soweit und das Monstrum was die Hosteliers angeschleppt haben wird illuminiert, eine Rakete nach der anderen verlässt mit einem dumpfen Ton ihre Verpackung. Noch in den frühen Morgenstunden sitzen wir mit Marco und Isis zusammen, genießen die Stille und konsumieren eine Dose Cola, geknickt.

Auf ein gutes und gesundes 2008!
Mit dem Minibus oder Tuck Tuck gehen wir auf Entdeckungstour und finden einen ruhigen Strand etwas außerhalb von Sanya. Hier finden wir noch Muscheln die einem sonst nur von einer der Tausend Souvenirverkäuferinnen angedreht werden. An einem sonnigen Tag treffen wir 2 Außerirdische (liegt Österreich eigentlich schon auf diesem Planeten?) Michel und Markus, zwei lustige Gesellen aus dem Nachbarland, wir verbringen ein paar Tage zusammen, es ist mal wieder angenehm, ganz stressfrei auf Deutsch zu plaudern.(ja, auch die Ösis beherrschen unsere Muttersprache ganz gut)
Die beiden, auf Nachtleben getrimmten Burschen, veranlassen uns das bisher eher vernachlässigte „hot time summer in the city“ feeling auch des Nachts zu zelebrieren. Zusammen mit Marion, einer deutschen Austauschstudentin aus Shanghai betreiben wir ein bisschen Müßiggang beim Dart und am Butzler. Da der Markus und der Micha geschwindigkeitssüchtig sind (liegts am Tempolimit in Österreich?), können sie gar nicht genug bekommen vom Jetski fahren. Der Preis übersteigt unser Budget, zu einer Runde Bananaboat fahren lassen wir uns aber trotzdem überreden. Mit häufigen unfreiwilligen Abstiegen rauschen wir zu 5. über das Meer.

Bei Kang Dang, Betreiberin eines der typischen open air Restaurants, sind wir mittlerweile Stammgäste. Sie lernt gerade englisch um die vielen ausländischen Touristen persönlich ansprechen zu können. Als Katharina ihr dann ein chinesisch englisches Wörterbuch überreicht zeigt sie sich überglücklich und wir sind integriert in die Familie. Ab dem Zeitpunkt bekommen wir die Preise der Einheimischen, werden des öfteren eingeladen und immer mit Umarmung und Handschlag begrüßt. Und überhaupt, man kann hier in China echt krasse Sachen essen. Haben wir bis jetzt schon Seegurken, Schwimmhäute von Gänsen oder Fischhaut gegessen, sahen wir uns eines Tages einem neuen Erlebnis gegenüber. Wie üblich bestellten wir das, was wir per Fingerzeig auf den Nachbartisch ohne Worte ordern können. Gesagt getan, Chicken sollte es diesmal sein. Wir haben uns gerade gesetzt als wir einen kurzen Schrei eines Huhnes hören, es dann auch schon über einem Abfluss ausbluten sehen. Mit heißem Wasser übergossen sind die Federn in null Komma nix gerupft und das Huhn in Stücke zerteilt. Keine 20 Minuten nach dem letzten Atemzug des Tieres steht vor uns ein dampfender Teller, die Füße luken über den Tellerrand. Mir ist der Appetit vergangen, mein Gewissen plagt mich und so kaufe ich am nächsten Morgen ein Ei und brüte es für drei Tage am Strand aus, erfreue mich eines Morgens an dem kleinen Küken wie es neugierig den Strand entlang tapst.
- Katharina & Stefan-
Happy New Year 2008!
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